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Grußwort von Pfarrer Michael Himmelreich

Lotz

Liebe Leser*innen,
 
    „Der Eichelhäher ist die Waldpolizei“, erklärte mir früher meine Mutter, als ich noch Kind war, „der ruft und sagt dem Wald: Achtung, da kommt wer“. Seitdem sind meine Sinne auf den Ruf des Vogels geschärft, inmitten des Klangraums Wald. Bespielt wird dieser Klangraum vom Zwitschern und Singen der Vögel, den sanften Windgeräuschen des Windes in den Baumkronen, vom plötzlichen Rascheln im Laub, wenn ein Tier durch das Unterholz huscht. Kruschelt man in den Zeitungen oder hört in das Rauschen des Fernsehers oder Radios, dann hört man aus den Wäldern ausformulierte Hilferufe: Waldsterben, Trockenheit und Dürre, Borkenkäfer, Brände. Die Klimakrise hat längst die heimischen Wälder erreicht und es ist nicht gut um die Wälder bestellt.
Allein ist der Wald mit dieser Erfahrung nicht. Schon deshalb, weil der Klimawandel ebenso uns Menschen trifft und zudem gilt: Je jünger, desto stärker. Gerade jetzt in diesem Moment (am 18. Juli), wenn die angekündigte Hitzewelle gerade eingetroffen ist, in Südeuropa längst Waldbrände wüten und auch in der Sächsischen Schweiz Feuer ausgebrochen sind, erscheint der imaginierte Blick in die Zukunft wie Blick in den Ofen. Der Blick ins Feuer, die Hitze, wird wohl das neue Normal und ist es schon. Dieser Gedanke lässt mich erschaudern und lähmt.
    Allein ist der Wald und auch wir deshalb weiterhin nicht, weil wir nicht die ersten Menschen mit dieser Erfahrung sind, dass der Blick in die Zukunft erschaudern lässt. Das Volk Israel machte diese Erfahrungen in den biblischen Zeiten, die sich über einige Jahrhunderte strecken, immer und immer wieder. Zur Zeit Jesu war es die römische Besatzung, die jegliche Perspektive auf eine gute Zukunft nahm, zuvor waren es Assyrer und Babylonier die Vernichtung und Deportationen mit sich brachten. Alles keine guten Aussichten, in denen die Menschen eine gute Nachricht hinein verkündigt bekamen.
    Was es heute besonders schwer macht optimistisch zu sein, ist, dass sich nicht darauf vertrauen lässt, dass in Zukunft alles besser wird, und mit dem Fortgang der Zeit die Probleme dieser Welt sich nach und nach lösen lassen.
    Das kann heute nur schwerlich mit innerer Überzeugung behauptet werden.
    Und das wäre auch nicht die Perspektive, die die biblischen Erzählungen und auch die Geschichte von Jesus Christus uns bieten. Der Blick in die Zukunft ist demnach kein Blick in eine Gefangenschaft, kein Blick in einen Ofen und auch kein Blick in eine Zukunft, die Lösungen erbringen muss, um zukunftsfähig zu sein.
    Der Blick in die Zukunft ist ein Blick auf das Kommen Gottes. „Hosianna!“ jubelten die Bürgerinnen und Bürger von Jerusalem, als Jesus auf einem Esel „thronend“ in die Stadt ritt. „Hosianna!“ – Ein Jubelruf mit der Bedeutung: „Hilf doch!“, ein Ruf nach Hilfe, der ohne Jubel aber nicht funktioniert. Es geht schließlich um Situationen, in denen Selbsthilfe und Problemlösungen nicht reichen und die trotzdem kommende Hilfe bejubelt wird. Und selbst wenn wir jetzt mitten im Sommer sind und „Mach hoch die Tür!“ noch etwas auf sich warten lassen muss, leben wir permanent in der Erwartung, in dem Advent und in dem Jubel, dass Gott kommt. Und auch schon da ist.
    Hören wir doch mal hin, auf das Orchester im Wald, dann hören wir Gott: Das Rascheln aus dem Unterholz, das Zwitschern und Singen der Vögel, das Rauschen aus den Baumkronen und zwischendrin der Eichelhäher: „Achtung, da kommt wer!“
    Es ist ein Hilferuf! Es ist ein Jubelruf! Wir können mit Hoffnung und Mut darin einstimmen und müssen uns nicht lähmen lassen. Denn es jubeln die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt.

privat

Es grüßt Sie
hoffnungsvoll,
 
Ihr Pfarrer
Michael Himmelreich
 

Friedensgebet

Gott der Liebe und der Gerechtigkeit,

„Suche Frieden und jage ihm nach“,
heißt es in der Schrift.

Doch jagt der Krieg vielen Menschen nach.

Deshalb bitten wir dich:
Lass Frieden finden, wer ihm nach jagt.
Lass Frieden einbrechen, wo Krieg wütet.

Und schenke, Gott,
Gerechtigkeit und Hilfe, denen die leiden;
und bringe Gerechtigkeit über die,
die leiden lassen.

Das bitten wir dich
im Namen Christi, den Gekreuzigten.

Amen.

Kurze Impulse zur Bestärkung und Ermunterung

Auf den Websites des Dekanat Wetterau und der Landeskirche EKHN werden Impulse, Hörpredigten und weiteres angeboten:


https://dekanat-wetterau.ekhn.de

https://www.ekhn.de

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